Verfahrenheit 451 – oder:
Neues aus Plundersweilern

26.06.2015 | 23:18 |

Die ersten 300 Worte hatte ich schon geschrieben. Doch je länger ich über Wolfram Schüttes im Perlentaucher als Debattenaufruf veröffentlichten Vorschlag, die Literaturkritik vor der Bedeutungslosigkeit zu retten, nachdachte, desto trostloser wurde es.

 Jungsclubs gab es auch schon zu Honoré Daumiers Zeiten 

Ein Jungsclub (nein, sicher ist es nur der besseren Lesbarkeit geschuldet, daß er immer nur die männliche Form verwendet) soll zusammen mit der Buchindustrie aka Verlagen,

Lektoren, Verlagskaufleuten [sic], Kritikern & interessierten Lesern

etwas schaffen, dessen sich doch das Feuilleton selbst bereitwillig und mit bis zur Kenntlichkeit entstellender Selbstbehauptung entledigt hat: Substanz. Dank “KritikerInnen”, deren Selbstbild und eigene Wichtigkeit immerzu knapp vor Johann-Heinrich-Merck- oder Alfred-Kerr-Preis zu stehen scheint; und die doch alle, mehr weniger als mehr gekonnt, wiederkäuen, was alle in den Waschzetteln der Verlage vorfinden. Immerhin gewürzt mit eigenen Geschmäcklereien, mit denen sie sich oft genug über die besprochenen Texte (und AutorInnen) zu erheben suchen.

Sondern?

Statt darüber nachzudenken, warum die “Kritik” auch für viele LeserInnen inzwischen nur noch eine fade Nichtigkeit ist, die bestenfalls verlängerter Arm des Betriebs, aber kaum das Papier wert ist, auf dem sie noch immer gedruckt wird;

statt darüber nachzudenken, was gegen die Freunderl-Wirtschaft bei Literatur-Preisen zu tun ist, die nach Etiketten giert und immer wieder genormte “Litteratur” nach oben spült – die doch gleich wieder vergessen ist;

statt darüber nachzudenken, warum die “Kritik” sich derart korrumpiert hat, daß sie nur noch das bespricht, was alle besprechen –

Erst kommt das Fressen …

Stattdessen also wird Wolfram Schütte zum Teutschen Kultur-Michel, der lieber erst einmal ausführlich darüber nachdenkt, wer ihm denn bitte seinen exclusiven Cultur-Club finanzieren soll. Ein Schelm, wer hier “Pfründe sichern” oder “ABM” denkt.

Schüttes innovative Ideen: Eine Stiftung.[1] Oder eine “öffentlich-rechtliche Struktur zur Finanzierung”. Moment, sollten da meine Steuergelder ins Spiel kommen?

Denn es sollte ja ein Gemeinschaftsprojekt aller am Buch Interessierten sein!

Rufzeichen? Oh, Pathos, oh Schutz vor ihm. Aber dann wohl doch keine Steuergelder. Uff.

Sein moralinsaures Geweine, zu dem er durch das Fehlen gedruckter Standkataloge auf der Frankfurter Buchmesse bei gleichzeitigem Verweis auf eine App veranlaßt wird – geschenkt. Immerhin läßt er hoffen, in ihm den Praeceptor Germaniae zu finden, wenn man ihn nur läßt.

Endgültig trostlos wurde es, als ich eine weitere Idee las:

So könnten z.B. auch – durch regelmäßige Rätsel – an Gewinne für Benutzer gedacht werden.

Rätsel. Wolfram Schütte schlägt allen Ernstes Rätsel vor. Herr Kerkeling, bitte übernehmen Sie!

Und wo bleibt das Positive?

Vielleicht würde es lohnen, darüber nachzudenken, abseits des Feuilletons bestehende gute Angebote strukturiert zu nutzen (ich werfe mal als Beispiele “Schreibheft”, “Volltext”, literaturkritik.de in den Ring) oder diesen auch nur zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.

Nun, um auch in Zukunft gute Texte zu lesen, warte ich nicht auf die Auferstehung der Kritik aus der Asche des bei 451°F zum Anzünden des Kachelofens verbrannten Zeitungspapiers. Sondern begebe mich weiterhin einfach zur Buchhandlung meines Vertrauens, lese die erwähnten guten Quellen und suche das Gespräch mit LiteraturfreundInnen. Oder finde einfach, ohne gesucht zu haben. Eines exclusiven Cultur-Clubs bedarf ich jedenfalls nicht.

Nachtrag: Erfreulicherweise findet sich mit Jörg Sundermeiers Beitrag vom 30.06.2015 eine grundsätzlich kritische Stimme, die nicht erst mal jubelt und in das „Hurra, wir retten die Welt“-Gejohle einstimmt.


  1. wobei er sich zum ebenso komi’chen wie geschmackvoll formulierten Aufruf “Juristen an die Front” versteigt …  ?

Handschrift und Emotion

01.03.2015 | 17:31 |

In letzter Zeit rückte die Handschrift bzw. das Schreiben mit der Hand in die Diskussion. Besonders durch die Entscheidung, in Finnland die Kulturtechnik der gebundenen Schreibschrift in der Schule nicht mehr zu lehren.

Natürlich kann alles mit der Tastatur geschrieben werden, ich nutze ja hier auch eine. Lesbarkeit wird dadurch oft gewährleistet, und nicht zu verachten ist die Möglichkeit, daß blinde oder sehbehinderte Menschen durch Screenreader diese Texte ebenfalls nutzen können.

Allerdings frage ich mich:

handschrift-emo.gif

Ja, wo bleibt das Emotionale?

Und daneben gibt es weitere Vorteile der Handschrift:

  • Schnelligkeit des Eintragens;
  • es sind keine zusätzlichen techn. Geräte notwendig;
  • der Schreibprozeß wird genauer – durch den Zwischenschritt vom Handgeschriebenen zum Computertext wird der Text schon redigiert;
  • das Schreiben mit der Hand verbessert die Merkfähigkeit;
  • Spontaneität.

Es wundert mich nicht, daß in letzter Zeit in diversen Podcasts über Notizen und Notizbücher gesprochen wird. Z.B. beim Toolblog Nr. 15 und bei den Nerds on Draft Ep. 20 – von den üblichen Verdächtigen mal abgesehen.

Und daß es seit einiger Zeit in Geschäften Unmengen an Notizbüchern zu kaufen gibt, könnte auch ein Zeichen sein. Ein guter Anlaufpunkt ist hier der Notizbuchblog.

Das immer wieder gehörte “Argument”, die eigene Handschrift sei unlesbar, kann mit der eigenen Erfahrung entschärft werden: das gibt sich.

Ich werde mich jetzt mal bei der Letter Writers Alliance eintragen (die auch einen Blog hat).

Update 15:15 Uhr: Gerade habe ich den Artikel „Die Handschrift verkümmert“ in der NZZ entdeckt.

Männerwelt

26.08.2014 | 11:17 |

leere Sprechblasen

Jenseits der Quotenfrage stellt sich mir beim Blick auf das Cover der im Herbst erscheinenden ZIG die Frage, warum beim Thema „Kleine Formlosigkeiten“, zu dem Krethi & Plethi etwas schreiben könnten, eine derart männerlastige Auswahl zustande kommt. Old Boys Network rules.

Shocking! Claudius Seidl kann kein Englisch?

14.08.2014 | 17:30 |

Etwas überrascht war ich, als ich Claudius Seidls Kommentar in der FAS (10.8.14, S. 29) entnehmen mußte, daß er kein Englisch spricht. Und er der Ansicht zu sein scheint, daß auch sonst niemand in diesem unserem Lande dessen mächtig ist. Wie sonst sollte er zu der Ansicht kommen, niemand hierzulande dürfe Dave Eggers’ Buch “The Circle” als schlicht gedacht und schlecht geschrieben verwerfen, denn er oder sie könne es ja noch gar nicht gelesen haben?

Das Buch ist bereits 2013 bei McSweeney’s und Alfred A. Knopf erschienen.

New Dutch pencils

05.08.2014 | 22:10 |

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Today I visited a small shop in Zouteland (The Netherlands) that sells newspapers, books – and some stationary. I was quite happy to find some Dutch pencils. The brand is called Bruynzeel, and the price was 90ct for a piece. Interesting that they have different brand typo: a more painted one on the 4B, a grotesk font on the Burotek H. They had some more Buroteks with 3H, 4H and even 5H – but I am as a writer more on the soft side.

The H is is writing fine, no scratchy behaviour, I just prefer a darker line on the paper (this is a Kangaro 60g college block paper). The line is quite smear resistant.

I prefer the 4B as it is writing with a nice dark line that needs no pressure. Of course, the graphite smears a lot easier.

Next to the Bruynzeels I saw two versions of a „Happy children“ pencil produced in Shanghai (50ct). Showing no grade they differ in the color of their end. I would judge the red as a B or 2B, while the black cap gives me the impression of a HB or B. Both write well, the graphite seems well mixed.

At least, I take them as souvenirs and good allday pencils with me.

Bloggen mit dem iPad 1

26.07.2014 | 14:40 |

Mit meinem guten alten iPad 1 gibt es wegen des alten Betriebssystems nicht so viele Möglichkeiten, den WordPress-Blog komfortabel zu befüllen. Also versuche ich es mal dem Zusatzmodul in Byword. 

Bullet pencil

New on my desk: Stabilo ExamGrade

26.07.2014 | 14:06 |

Yesterday I saw this set of 4 Stabilo® ExamGrade® pencils, an PVC free eraser and a little container sharpener. For only EUR 2,99 this was a no brainer. All in stylish black & red, it looks quite decent.

The sharpener is quite a surprise: expecting not too much, it did a good job. The sharpening felt smooth, no resistance when chopping the wood. And the tip was not perfect but well done.

They say that these HB pencils have a lot of graphite for writing „darker – cleaner – stronger“. Well, as you can see it is darker than the FC 9000 HB. But writing with it it felt also smoother, so I could not say if I would call this really „HB“ – maybe it has some „B“ aspects :-)

Nevertheless, the first impression is good, the eraser is doing a good job if your writing is not too black. And the matte surface of the pencil feel fine when writing. I think they use some lightweight wood, the four pencils weight is about 12-14g, while 4 Mitsu-Bishi go up to 18g (on my semi-amateurish scales …).

For me the Stabilo® „Exam Grade“® is a nice on-the-road-set.

3-Stufen-Spitzer von DUX

19.07.2014 | 19:33 |

3 gespitzte Bleistifte mit Spitzerresten, dazwischen der DUX-Spitzer

Seit gestern habe ich den Dux Variabel, einen Präzisions-Spitzer, der durch ein kleines Rädchen drei Spitzstufen ermöglicht. In letzter Zeit habe ich häufiger nicht so lang gespitzte Bleistifte genutzt, was ein eigenes Schreiberlebnis vermittelt. Zumal ich nicht so sehr auf die Spitze achten muß, es läßt sich beherzter losschreiben lassen. Für Entwürfe oder Kritzeleien werde ich aber weiter bei der langen Spitze bleiben. Mit dem neuen Dux ist in Zukunft auch unterwegs die Frage “lang oder nicht lang” spontan entscheidbar.

Wobei der Kutsuwa T’GAAL mit fünf Stufen und einem Spitzrestbehälter für das Schreiben außer Haus nicht zu verachten ist – allerdings ist er doch deutlich größer und aus Kunststoff, also bruchgefährdet. (Der Lexikaliker hat ihn mit anderen Spitzern getestet.)

5 neue Füller

16.07.2014 | 10:51 |

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Gestern kamen rund 235 g Füller an, verteilt auf fünf Schreibgeräte aus chinesischer Produktion. Die Jinhaos haben gute Kritiken bekommen – mal sehen, wie meine Exemplare verarbeitet sind.

Kniffelig: Welche Tinte in welchen Füller?

Neue Füller

10.07.2014 | 20:48 |

Heute überraschte mich eine Kollegin mit einer Schachtel. Darin Schreibgeräte, die sie bei eBay loswerden wollte. „Schau doch mal, ob Du davon etwas haben möchtest …“.

2 Pelikano im Maeppchen

So wechselten zwei interessante Pelikano und ein Pelikan-Federmäppchen den Arbeitsplatz :-)